SIZE Success

Interkulturelle Kompetenz

Kultur-Typen nach Sir Richard Lewis

Kulturen sind vielfältig und unterschiedlich. Um sie besser zu verstehen und zu vergleichen, gibt es verschiedene Modelle, die kulturelle Merkmale beschreiben und einordnen. Eines dieser Modelle ist das von Richard Lewis, der Kulturen in drei Typen unterteilt: linear-aktiv, multiaktiv und reaktiv. SIZE Success ist von Richard Lewis autorisiert, sein Modell mit dem SIZE Success Persönlichkeits- und Kommunikationsmodell zu verknüpfen und weiterzuentwickeln. Mit dem SIZE Success Modell und Profil „Interkulturelle Kommunikation und Zusammenarbeit" lernen Sie, welche Länder welchen Kultur-Typen zuzuordnen sind und wie Sie sich entsprechend anpassen können.

Linear-aktive Kultur

Menschen aus linear-aktiven Kulturen sind oft sehr gut organisiert, zielorientiert und effizient. Sie planen ihre Aufgaben sorgfältig und gehen sie konzentriert an. Sie sind realistisch, pünktlich, verantwortungsbewusst und verlässlich. Sie kommunizieren klar und strukturiert, stellen Fragen und geben Antworten. Sie legen Wert auf Daten und Fakten und mögen keine Unklarheiten oder Widersprüche. Sie beurteilen ein Gespräch nach seinem Informationsgehalt und treffen Entscheidungen auf der Grundlage von sachlichen Informationen.

Multiaktive Kultur

Menschen aus multiaktiven Kulturen sind oft sehr beziehungsorientiert, offen und gesprächig. Sie verwenden viel Gestik und Mimik, um ihre Gefühle auszudrücken. Sie sind flexibel und kreativ in der Zusammenarbeit und bei der Lösung von Aufgaben, mögen aber keine starren Zeit- und Sachvorgaben. Sie machen oft mehrere Dinge gleichzeitig, was manchmal chaotisch wirken kann. Sie hören aktiv zu und beteiligen sich am Dialog. Sie sind oft unpünktlich, ungeduldig und emotional. Sie lösen Probleme durch Beziehungen und Kontakte.

Reaktive Kultur

Menschen aus reaktiven Kulturen sind oft höflich und zurückhaltend. Sie kommunizieren in einem bestimmten Rhythmus: Monolog – Pause – Reflexion – Monolog. Sie sind sehr aufmerksam und zeigen ihren Respekt für ihr Gegenüber durch Schweigen und Zuhören. Sie sind vorsichtig und vermeiden Konfrontationen, was sich auch in ihrer Sprache zeigt, die indirekt und passiv ist. Sie verwenden oft Halbsätze, die der Zuhörer ergänzen soll. Sie zeigen Unmut und Verärgerung eher indirekt oder gar nicht.

Einfühlsame

Einfühlsame sind Menschen, die sich stark von ihren Gefühlen leiten lassen und sich in andere hineinversetzen können. Sie haben ein gutes Gespür für die Bedürfnisse, Stimmungen und Wünsche ihrer Mitmenschen und versuchen, ihnen zu helfen und zu unterstützen. Einfühlsame sind warmherzig, menschlich, kooperativ und anpassungsfähig. Sie schätzen Harmonie, Beziehung, Wohlbefinden und Genuss. Sie sind oft gute Zuhörer, wohlwollend und verständnisvoll. Sie nutzen ihre Intuition, um sich ein Bild von der Welt zu machen, das von ihren subjektiven und sinnlichen Eindrücken geprägt ist.

Einfühlsame eignen sich besonders für Aufgaben und Tätigkeiten, die Menschlichkeit und soziale Fähigkeiten erfordern. Sie können sich gut in menschliche Bedürfnisse einfühlen und haben ein Gespür für die Atmosphäre in einer Gruppe oder Situation. Sie sind oft in Bereichen wie Beziehungsmanagement, Dienstleistung, Erziehung, Alten- und Krankenpflege oder Pädagogik tätig.

Einfühlsame haben jedoch auch einige Herausforderungen zu bewältigen. Unter Stress neigen sie dazu, sich aufopfernd anzupassen, überfürsorglich zu werden, ihre Unstimmigkeit nicht zu zeigen und sich nicht mehr abzugrenzen oder durchzusetzen. Sie werden übertrieben harmoniebedürftig und vermeiden Konflikte oder Kritik. Wenn der Stress zu stark oder zu lang anhält, können sie depressiv werden, ungewöhnliche Fehler machen, überempfindlich reagieren oder in Jammern, Klagen und Selbstmitleid verfallen.

Einfühlsame können lernen, ihre Stärken zu nutzen, aber auch ihre Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Sie können lernen, ihre Gefühle auszudrücken, auch wenn sie negativ sind, und sich nicht immer für andere verantwortlich zu fühlen. Sie können lernen, auch mal NEIN zu sagen und sich selbst etwas Gutes zu tun. Sie können lernen, dass nicht alle Menschen so fühlen wie sie und dass es manchmal notwendig ist, konstruktive Kritik zu äußern. Sie können lernen, dass sie auch als Menschen geschätzt und gemocht werden, unabhängig davon, was sie leisten.

Ruhige

Ruhige sind Menschen, die sich stark von ihrer eigenen inneren Vorstellung leiten lassen und sich ein Bild der Wirklichkeit durch kritisch-kontemplatives, in sich gekehrtes Beobachten und rationales Denken entwickeln. Sie haben ein gutes Gespür für das Wesentliche, das Abstrakte und das Intellektuelle. Sie sind zurückhaltend, sensibel, kontemplativ und unabhängig. Sie schätzen Ruhe, Distanz, Visionen und Phantasie. Sie sind oft gute Theoretiker, Analytiker, Erfinder und Forscher. Sie nutzen ihre Logik, um sich ein Bild von der Welt zu machen, das von ihren objektiven und abstrakten Prinzipien geprägt ist.

Ruhige eignen sich besonders für Aufgaben und Tätigkeiten, die theoretisch-abstrakte Aufgabenstellungen, Beobachtungsgabe, Vorstellungsvermögen und kühle Sachlichkeit erfordern. Sie können sich gut in komplexe Probleme vertiefen und originelle Lösungen finden. Sie sind oft in Bereichen wie Wissenschaft und Forschung, Informatik, Rechnungswesen, Mathematik, Physik und Technik tätig.

Ruhige haben jedoch auch einige Herausforderungen zu bewältigen. Unter Stress neigen sie dazu, sich zurückzuziehen, Angst vor Nähe und Beziehungen zu haben, ihre Gefühle nicht auszudrücken und keine Freude zu empfinden. Sie werden übertrieben distanziert und vermeiden soziale Interaktionen oder Emotionen. Wenn der Stress zu stark oder zu lang anhält, können sie passiv werden, grübeln, die Realität verzerren oder sich handlungsunfähig fühlen.

Ruhige können lernen, ihre Gefühle zu erkennen, zu benennen und zu teilen, auch wenn sie positiv sind, und sich nicht immer von der Außenwelt abzuschotten. Sie können lernen, auch mal JA zu sagen und sich anderen zu öffnen. Sie können lernen, dass nicht alle Menschen so denken wie sie und dass es manchmal notwendig ist, konkretes Feedback zu geben. Sie können lernen, dass sie auch als Menschen geschätzt und gemocht werden, unabhängig davon, wie klug sie sind.

Bewahrer

Bewahrer sind Menschen, die sich stark von ihrem Wertesystem leiten lassen und sich in die Welt der Moral, Ordnung und Prinzipien vertiefen. Sie haben ein gutes Gespür für Verantwortung, Konsequenz und Zuverlässigkeit und versuchen, die Wirklichkeit zu bewahren und zu verbessern. Bewahrer sind gründlich, tüchtig, ausdauernd und gewissenhaft. Sie schätzen Anerkennung, Einfluss, Macht und Führung. Sie sind oft gute Führungskräfte, Prüfer, Sachwalter und Unternehmer. Sie nutzen ihre Werte, um sich ein Bild von der Welt zu machen, das von ihren moralischen und normativen Eindrücken geprägt ist.

Bewahrer eignen sich besonders für Aufgaben und Tätigkeiten, die Gründlichkeit, Beharrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit erfordern. Sie können sich gut mit Regeln, Normen, Gesetzen und Systemen beschäftigen und haben ein Gespür für Recht und Ordnung. Sie sind oft in Bereichen wie Banken, Beamtentum, Führung, Polizei, Justiz, Militär, Religion, Rechtsvertretung oder im Unternehmertum tätig.

Bewahrer haben jedoch auch einige Herausforderungen zu bewältigen. Unter Stress neigen sie dazu, kritisch und nörglerisch zu werden, alles und jeden zu bewerten, unnachgiebig auf die Einhaltung von Regeln und Normen zu pochen, Beziehungen zum Machtkampf um Überlegenheit zu machen und extremes Beharrungsvermögen aus Angst vor Veränderung zu zeigen. Sie werden misstrauisch, bezweifeln die Loyalität und Glaubwürdigkeit anderer, streng, tadelnd, besserwisserisch und dogmatisch belehrend in der Durchsetzung von Machtansprüchen. Wenn der Stress zu stark oder zu lang anhält, können sie feindselig werden, aus Misstrauen Fehler machen, sich abkapseln oder verbittern.

Bewahrer können lernen, ihre Gefühle zu akzeptieren und zu zeigen, auch wenn sie nicht mit ihren Werten übereinstimmen, und sich nicht immer für alles verantwortlich zu fühlen. Sie können lernen, auch mal NEIN zu sagen und sich selbst etwas zu gönnen. Sie können lernen, dass nicht alle Menschen so wertorientiert sind wie sie und dass es manchmal notwendig ist, Offenheit, Flexibilität oder Toleranz zu zeigen. Sie können lernen, dass sie auch als Menschen geschätzt und gemocht werden, unabhängig davon, ob ihre Meinungen von anderen geteilt werden.

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